Kindergedicht

Jockie

Kindergedicht

er ist herumgeflogen wie immer

ganz weite Runden

hoch über meinem Kopf

gleich wird er landen

meine Hefte anknabbern

und meinem Füller

hinterherjagen

wenn ich schreibe

und dann muss ich lachen

und manchmal sage ich Oje

weil er Tinte im Schnabel hat

das ist doch giftig, Jockie,

sage ich und trage ihn zum Waschbecken

um das Zeug irgendwie wieder aus seinem

Federgesichtchen zu wischen

Jockie, Jockie was machst du

für Sachen, sage ich, habe

ich dir schon erzählt ….

auf einmal war es still

als ob etwas heruntergefallen wäre

ich habe ihn gar nicht mehr gesehen

vielleicht ist er wieder hinter

den Schrank geplumpst

das wird was

und dann sah ich ihn

er lag mitten auf dem Boden

Jockie? ich habe ihn aufgehoben

und er hat ganz lieb geguckt

und dann nicht mehr

Papa sagt, Jockie ist gestorben

er sei halt schon  älter gewesen

es war ganz kalt abends

im Bett

mir war wie schwindlig

niemand war da

niemand

leise bin ich hoch auf

den Speicher

und habe meine Puppe wieder

geholt

ich spiele schon lange

nicht mehr mit Puppen

ich bin ja schon zwölf

Kind, hat Mama gesagt

und mich angesehen

am nächsten Morgen

du hast dir ja wieder

die Puppe geholt

ja, habe ich gesagt

und es hat sich angefühlt

als ob was

in mir sägte