Ehelos. Winternachtstraum.

Ehelos

– Ein Winternachtstraum –

Romantisches Lustspiel in fünf Akten

 

 

Zum Inhalt:

Ein märchenhaft-ironisches Liebesideal-, Ehe-, Eltern-, Trennungs- Liebes-Gummibaumspiel, geträumt inmitten rauhreifiger Welt mit Musik, Tanz und allem Theaterzauber, das vor den Höchsten im Himmel nicht halt macht. Auch Schöpfer und Schöpferin werden in die Maskeraden alltäglicher Beziehungskämpfe, Strohfeuer und Brandherde herabgezogen. Aber die Kinder wissen die Schwachheiten ihrer Eltern auszunutzen. So kommen wieder alle zusammen, wenn auch umgekehrt. Das letzte Ja-Wort hat die Schöpferin.

 

Personen:

Adam

Eva – verheiratet

Samuel

Martha – verheiratet

Esther, 8 Jahre,

und Felicitas, 4 Jahre   –         Kinder von Adam und Eva

Josef, 6 Jahre,

und Katinka, 4 Jahre  –   Kinder von Martha und Samuel

Schöpfer

Schöpferin

Bühne ist zweitgeteilt. Es gibt eine irdische (z.T. auch höllische) Ebene und eine überirdische „höhere Warte“ (auf einem Gerüst z.B.)

 

1. Akt:

1. Szene:  Adam und Evas Alptraum von der eisigen Welt

Dunkel. Ein Scheinwerferkegel macht schummriges Licht. Adam und Eva liegen auf einer Matratze, „Löffelchen“ schlafend. Daneben steht eine Palme.

Eisnebel kommt auf, klirrende Musik. Kleine Eisteufel und -teufelinnen tanzen zeitlupenartig. Granaten, Schüsse, Lärm und Phrasen durch die Lautsprecher. Lichterorgel. Adam und Eva stehen auf, gehen Hand in Hand in die Bühnenmitte, umarmen sich im Eis der Welt. Ende. Alles erstarrt. Dunkel

 

2. Szene:  

Oberer Teil der Bühne ist angeleuchet. Unten bleiben Figuren im Alptraum erstarrt. Schöpfer und Schöpferin sitzen auf ihren Thronsessel. Weiße wallende Gewänder. Schöpfer mit ebensolchem Bart, Schöpferin mit langem Haar, etwas flippiger als der Alte, aber auch ergraut. Heiligenschein und Krone etc. Der Alte hält das Zepter. Die Schöpferin strickt einen langen, langen „Schicksals“schal (à la Moira).

Der Alte stampft mit dem Zepter auf, daß es knallt.

Schöpferin:  Schöpfer, was machen Sie für einen Lärm?

Schöpfer: Ich regiere, Schöpferin, hören Sie das nicht?

Schöpferin: Übertreiben Sie nicht.

Schöpfer: Halten Sie den Mund, wenn ich regiere, damit ich mich hören kann.

Schöpferin: Ich kann meinen Mund nicht halten, ich habe alle Hände voll zu tun, um die Schicksalsfäden zu verstricken, das sehen Sie doch!

Schöpfer: Dann stricken Sie halt, und lassen mich in Ruhe zeptern.

Schöpferin: Wenn Sie mich in Ruhe stricken lassen würden, wär’ ich schon zufrieden.

Schöpfer: Tun Sie, was Ihnen gefällt.

Schöpferin: Ich habe schon zwei Maschen fallen gelassen.

Schöpfer: Na und? Was kann ich dazu?

Schöpferin: Regieren Sie leise, heieiei!

Schöpfer: Sie müssen noch viel lernen!

Schöpferin: Wem sagen Sie das!

Schöpfer schlägt wieder mit dem Zepter auf.

Schöpferin, zusamenfahrend und dabei ihr Strickzeug in die untere Etage der Bühne fallen lassend: Schlamperei. Früher hat ich immer alle Hände voll zu tun, und jetzt?

Oberes Licht aus.

 

3. Szene: Adam und Eva lernen sich kennen.

Beide gehen langsam auseinander und dann wieder, Rücken zueineinandergekehrt aufeinander zu, schnelle Blicke tauschend.

Adam:  Die Kälte macht mich krank.

Eva: Da ist einer hinter mir. Was weiß er –

Adam: Glück – vielleicht  –

Eva: Angst zu stolpern. Schäme mich dann mehr vor mir selbst als vor den anderen.

Adam: Das Kann und Will – Ich warte …

Eva: Frierend –

Adam:  Von einem Blick getroffen –

Eva: Für eine Sekunde hast du mich angesehen.

Adam: Ob sie mir gleicht? Wenn ich dich betrachten könnte …

Eva: Wir wollten weinen ineinander –

Adam: – und uns erkennen.

Sie schlingen den Schicksalsschal umeinander. Licht aus.

 

4. Szene:

Spot auf die obere Etage.

Schöpferin, gerührt: Muß Liebe schön sein.

Schöpfer: Ich finde sie renitent.

Schöpferin, schwärmerisch: Morgensamtküsse …

Schöpfer: Nun, ich schlage vor …

Schöpferin:  Sonnenblumenschwanken …

Schöpfer:  Haben Sie’s nicht kleiner ….

Schöpferin: Mimosenläuten zwischen Purzelbaumgräsern …

Schöpfer: Achtung, Bauarbeiten!

Schöpferin: Goldregen ….

Schöpfer: Viertausendvierhundert Mark und siebenundfünfzig Pfennige …

Schöpferin:  Schmetterlingsflug über Rehaugen …

Schöpfer: Fußgänger, andere Straßenseite benutzen!

Schöpferin:  Mit ausgebreiteten Armen …

Schöpfer:  Da ist noch ein Parkplatz frei!

Schöpferin: Albatros …

Schöpfer: Sie übertreiben ihren Wunsch nach Besonderheit doch ein bißchen, finde ich.

Schöpferin: Seien Sie nicht so kleinlich, mein Herr! Kunst ist die Fähigkeit, den Bewegungen des Herzens zu folgen.

Schöpfer, genervt: Hähähä

Licht aus.

 

5. Szene: Demonstrationen der Liebe

Adam und Eva marschieren mit Transparenten und Schildern über die Bühne.

Eva: Entweder sind die Ansichten wässrig geworden oder es steht eine Gletscherschmelze der Vorstellungen bevor!

Adam: Das penibel eingefrorene Hirn hat sich dennoch zersetzt.

Eva: Aus dem siebenten Himmel rosiger Tändeleien fallen die Wärmesuchenden in die rush hour und verlieren sich im Stückwerk der Viellebigkeit.

Adam: Der Handel mit den Personen blüht. Man zerstreut sich in Schubladenbeziehungen.

Eva:  Lockere Lustigkeit soll für kurze Zeit die Monotonie vergessen machen.

Adam: Die Personen zirkulieren, ohne wirklich in Berührung zu kommen.

Eva: Matt! Die Liebe als Trost für die Engstirnigkeiten des Alltags wird selbst ein Opfer des Nichtlebens werden

Adam: Ich fahre auf  meiner Trauer herum –

Eva: Was würden Sie tun, wenn Sie findiger wären?

Adam: Dann raff’ ich mich und krächze –

Eva: Die Idee unserer Körper mit nie Gedachtem vereinigt –

Adam: Wenn sie nur mehr erwarten würde als das, was ich nur von außen bin …

Eva:  Da wachsen riesige Blumen mit endlosen Fühlern …

Adam: Ich will dich wärmen …

Eva: In den Zellen bricht eine Lilie hervor …

Adam: Du sollst nicht erstarren …

Eva: Läuft uns die Zeit weg?

Adam: Die Zeit ist in uns gegangen –

Eva: Und wir werden wissen, daß das, was wir Hoffnung nennen, eigentlich Erinnerung war ….

Adam: Ein Teil, der uns zu Uns macht …

Eva: will ich mich mühen ….

 

 

6. Szene

Obere Etage

Schöpfer:  Okay, wenn sie unbedingt wollen … zur Schöpferin: Aber Sie, meine Liebe, sollten jetzt endlich wieder Ihre Strickerei selbst in die Hand nehmen …

Schöpferin: Ich denke gar nicht dran!

Schöpfer: Wie bitte?

Schöpferin: Sie sollen doch mit meinem Schal machen, was sie wollen. Wenn sie frieren …

Schöpfer: Ach, Schöpferin, seien Sie nicht naiv. Sie kennen doch unsre Geschöpfe … Sie werden sich erdrosseln, wenn wir sie ihrem Schicksal überlassen!

Schöpferin: Dann holen Sie sich eben den Schal wieder herauf, ich übernehme derzeit das Zepter! Streckt die Hand nach seinem Zepter aus.

Schöpfer: Nanana. Nicht so stürmisch! So waren Sie ja schon lange nicht mehr!

Schöpferin: Erregt Sie das?

Schöpfer: Hhhm!

Schöpferin: Na, geben Sie schon her!

Schöpfer, überläßt ihr das Zepter: Und nun?

Schöpferin: Lassen Sie mich machen! Kümmern Sie sich lieber um das Schicksal.

Schöpfer: Ich kann aber nicht stricken.

Schöpferin: Sie werden es lernen.

Schöpfer: Und Sie?

Schöpferin: Was?

Schöpfer: Und Sie, werden Sie regieren?

Schöpferin: Bin schon dabei!

Schöpfer: Man hört ja gar nichts.

Schöpferin: Das sind eben die Feinheiten.

Licht aus.

 


 

Siebente Szene: Adam und Eva streiten am Vorabend zur Hochzeit

Eva: Ja, das kann ich mir schon vorstellen: zwei Kinder, Ehefrau – da bin ich fertig, Adam – da kannst du mit mir machen, was du willst.

Adam: Es wird dir gefallen.

Eva: Aber warum denn um Himmels Willen. Uns geht es gut. Wir lieben uns, wieso sollen wir das gefährden?

Adam: Ich will Kinder haben.

Eva: Auch noch mehrere!

Adam: Zwei.

Eva (zu sich): Es wird das klassische Emanzipationsdebakel geben. Ich sehe doch jetzt schon, wie er das Abwaschproblem aussitzt.

Adam: Liebe Eva, wir sind jetzt sieben Jahre zusammen.

Eva: Du warst zufrieden, habe ich gedacht.

Adam: Aber jetzt will ich heiraten.

Eva: Warum?

Adam: Weil wir erwachsen sind.

Eva und Adam schweigen eine Weile.

Eva, zum Publikum: Die Ehe als Abenteuer? Vielleicht geht das?

Man hört Gelächter in den oberen Etagen.

 

Achte Szene:

Schöpfer kommt und setzt sich auf seinen Thron.

Schöpferin: Das wurde aber auch Zeit! Wo haben Sie sich denn die ganze Zeit herumgetrieben?

Schöpfer:  Ich bin aufgehalten worden.

Schöpferin: Blond?

Schöpfer: Rot.

Schöpferin: Bestimmt gefärbt.

Schöpfer: Ja, ja. Sie haben recht. Gefärbt, beschönigt.

Schöpferin, laut auflachend: Sie in Ihrem Alter.

Schöpfer, sich beleidigt übers Haupthaar streichend: Wieso?

Schöpferin: Haben Sie wenigstens den Schicksalsschal mitgebracht?

Schöpfer: Oh!

Schöpferin: Ja, ja …

Schöpfer, vorsichtig: Ich könnte ja noch einmal runtersteigen ….

Schöpferin: Unterstehen Sie sich. Ihre Menschwerdung hat lange genug gedauert.

Schöpfer: Und was machen wir jetzt?

Schöpferin: Woher soll ich das wissen? Haut das Zepter auf den Boden.

 

 

Neunte Szene: Martha und Samuel fahren Rad

Obere und untere Etage sind erleuchtet. Martha in blauem Arbeitsoverall und Samuel fahren Tandem. Hin und her auf der Bühne, Martha sitzt vorne. Samuel atmet schwer.

Samuel: Ich kann nicht mehr. Können wir nicht einmal anhalten?

Martha: Du kannst auch nicht auf einmal aufhören zu leben. Es geht immer weiter.

Samuel: Kack!

Martha tritt unbeirrt weiter in die Pedale. Samuel muß mithalten.

Schöpfer: Wer sind die denn?

Schöpferin: Mein Lieber, Sie haben ja überhaupt keinen Durchblick mehr, nur noch rotes Haar auf Ihren beiden Zähnen.

Schöpfer: Nun hören Sie aber auf! Ich bin wieder ganz da.

Schöpferin: Seit ich runtergucke, fahren die Fahrrad. Unablässig, sie immer vorne.

Schöpfer: Und Adam und Eva, was ist aus denen geworden?

Schöpferin: Haben geheiratet.

Schöpfer: Ach!

Schöpferin: Ja.

Schöpfer: Diese Liebesrevolutionäre?

Schöpferin: Ja.

Schöpfer: Und jetzt?

Schöpferin: Was jetzt?

Schöpfer: Bißchen spießig geworden, die beiden, oder?

Schöpferin, schulterzuckend: Das mehr oder weniger Übliche halt.

Schöpfer: Und was ist mit den  beiden Radfahrern da unten?

Schöpferin: Mit Samuel und Martha?

Schöpfer: Aha. Martha und Samuel.

Schöpferin: Ja.

Schöpfer: Haben die auch geheiratet?

Schöpferin: Ja.

Schöpfer: Sie sagen ja immer Ja.

Schöpferin: Ja.

Schöpfer: Regieren Sie anständig, Herrgott!

Schöpferin: Ja.

Schöpfer: Geben Sie das Zepter her!

Schöpferin: Ja.

Schöpfer nimmt das Zepter und haut damit auf. Martha und Samuel fallen vor Schreck vom Fahrrad. Sie wälzen sich auf dem Boden. Samuel versucht Martha zu küssen und sie zu umarmen. Sie wehrt ihn ab.

Martha: Nicht schon wieder! Sie steht auf und geht.

Samuel liegt bäuchlings auf dem Boden und hämmert mit den Fäusten.

Samuel, schreit: Bin ich denn immer der Arsch?!?

Schöpfer: Gute Frage.

Schöpferin: Ja.

Vorhang.

 

2. Akt

 

1. Szene: Nikolausabend: Die Ehepaare treffen sich

Untere Etage erleuchtet. Aus dem Lautsprecher tönt „Heute Kinder wird’s was geben … heut ist Nikolausabend da!“

Martha und Samuel, Adam, Eva und ihre Kinder essen Bratäpfel.

Kinder sind aufgeregt.

Felicitas: Mama, wann kommt denn jetzt endlich der Nikolaus?

Eva: Er kommt bald,  Kleines …

Adam: Felicitas, ißt du deinen Bratapfel nicht mehr?

Felicitas: Doch, Papa.

Adam: Und du Esther, du hast auch noch die Hälfte auf deinem Teller:

Esther: Meine Hälfte kannst du haben, Papa. Ich habe schon sooo einen dicken Bauch.

Adam, seufzt: Ich auch, zögert, na ja trotzdem. Deine Bratäpfel, Martha, sind einfach vortrefflich.

Samuel: Meine Frau macht alles vortrefflich.

Martha: Ich freue mich, wenn es euch schmeckt.

Adam: Eva, mach’ doch auch mal Bratäpfel!

Eva: Ja.

Josef: Mama, ich hab’ keinen Hunger mehr.

Martha: Dann geh’ Zähne putzen, Josef.

Josef: Und wenn er dann kommt, wenn ich gerade im Bad’ bin?

Martha: Er kommt noch nicht.

Josef: Aber wann kommt er denn endlich?

Martha, geheimnisvoll: Bald, bald kommt er ….

Katinka: Der braucht immer so lange, jetzt habe ich schon zwei Bratäpfel mit Vanillesauce gegessen, und er ist immer noch nicht da!

Esther: Dabei ist es draußen schon dunkel.

Josef, kichernd: Letztes Jahr hat er sich am Adventskranz den Bart versengt.

Martha: Komm, Josef, Zähne putzen, und dann üben wir noch einmal die Nikolausgedichte.

Josef: Ja, Mama. Er geht Zähne putzen.

Esther, mault: Mama, ich finde es gemein, daß Josef dasselbe Gedicht aufsagt wie ich.

Eva: Ihr könnt euch vielleicht abwechseln.

Esther: Nöö. Ich will es allein aufsagen.

Felicitas: Nikolaus, hau’ in den Sack, dann mach’ ich mit dir Huckepack! Sie lacht. Hab’ ich selbst gedichtet.

Eva: Prima, Feli.

Katinka: Mama, ich will auch was dichten.

Martha: Ja, Katinka.

Katinka: Hilf’ mir.

Martha: Ja, Schatz. Sie dichtet: Nikolaus komm’ bald herein …

Felicitas, ruft: ein Schwein, barein , mein Bein und dein ….

Felicitas und Esther lachen.

Esther: Ich komm’ heraus aus den Tannenspitzen –

Felicitas: Da sah ich goldene Schweinchen flitzen –

Sie wollen sich ausschütten vor Lachen.

Josef kommt wieder herein.

Martha: Josef, du kannst uns helfen, ein eigenes Nikolausgedicht zu dichten.

Josef: Hhm!

Martha, zu Adam und Eva: Josef kann ganz wunderbar dichten. Josef, sag’ doch mal das Gedicht, das du für die Oma gemacht hast!

Josef: Meine Oma ist immer für mich da, im Sommer und im Schnee, juchhe, sie ist eine Fee.

Martha: Ganz wunderbar, Josef – findest du nicht, Eva?

Eva: Ja.

Katinka: Was könnte ich denn mal für ein Gedicht machen?

Esther, schlägt vor: Katinka ist es bange, es dauert schon so lange –

Felicitas: – der Nikolaus, der kommt noch nicht, und aus ist die Geschicht’!

Kinder kichern.

Katinka: Der Apfel ist ein Mapfel, und ich bin keine Schachtel, es dauert zwar noch lange,

Josef: doch mir ist nicht bange1

Alle: Bravo, bravo!

Felicitas: Ganz ausgezeichnet.

Alle lachen.

Martha: Und nun, Kinder wollen mir unsere gelernten Gedichte noch einmal üben, dann kommt er vielleicht, der Nikolaus. Josef, fang’ an: Von drauß vom Wald, da komm’ ich her …

Josef: Ich will euch sagen,

Esther, mißmutig leiernd: es weihnachtet sehr.

Martha: All überall über den ..

Während sie das Vorzutragende einstudieren, Spot auf die obere Etage.

 

Zweite Szene:

Schöpferin: Nun, gehen Sie schon runter, Mann!

Schöpfer, maulend: Ähh!

Schöpferin: Ach Gott, jetzt machen Sie doch diesen beiden reizenden Familien die Freude!

Schöpfer: Ich kann meinen Mantel nicht finden.

Schöpferin, greift hinter sich: Hier’ ist er! Gibt ihm einen roten Nikolausmantel.

Schöpfer: Muß ich?

Schöpferin: Ja.

Schöpfer: Sie mit Ihrer Jasagerei!

Schöpferin: Ja.

Schöpfer: Oh Gott!

Schöpferin: Wem sagen Sie das?

Schöpfer:  Ich muß mich motivieren.

Schöpferin: Sie dürfen, mein Lieber, Sie dürfen …

Schöpfer: Was hab’ ich da nur für ein Theater angefangen!

Schöpferin: So ist es! Jetzt freuen sich alle auf Sie!

Schöpfer:  Und es führt kein Weg daran vorbei?

Schöpferin: Wenn Sie wollen, daß die Kinder weinen …

Schöpfer: Um Himmel willen, nein, natürlich!

Schöpferin:  Dann gehen Sie!

Schöpfer seufzt und zieht den Nikolausmantel an. Bevor er heruntersteigt, dreht er sich noch einmal um.

Schöpfer: Wie heißen die noch einmal?

Schöpferin: Adam und Eva, Martha und Samuel und die Kinder

Schöpfer: Von wem sind denn die Kinder?

Schöpferin: Oh Gott, haben Sie denn die letzten Jahre nur geschlafen?

Schöpfer: Ich bin ein alter Mann!

Schöpferin: Ich helfe Ihnen.

Schöpfer: Wenn ich Sie nicht hätte!

Schöpferin: Ja.

Schöpfer: Also, die Kinder von Adam und Eva heißen:

Schöpferin. Esther und Felicitas

Schöpfer: Und die von Martha und Samuel:

Schöpferin: Josef und Katinka.

Schöpfer: Das kann ich mir nie merken.

Schöpferin: Wird schon werden, alter Mann.

Schöpfer im Nikolauskostüm schickt sich zu Gehen an.

Schöpferin: Halt, vergessen Sie nicht Ihren Sack!

Schöpfer: Ach ja, meinen Sack.

Schöpferin: Habe ein paar Sachen eingepackt …

Schöpfer: Sie sind zu gütig.

Schöpferin: Ja.

Schöpfer schultert den Sack und steigt in die untere Etage herunter.

Dunkel

Aus den Lautsprechern Nikolausabendstimmung. Nikolauslieder, evtl. – Gedichte. Kinderstimmen, Mütterstimmen „Jetzt laßt erst mal den Nikolaus hereinkommen“ usw.

Dann verebben die Geräusche, es ist eine Weile dunkel.

 

Dritte Szene: Eva und Martha bei der Schöpferin

 

Dunkel. Schweres Atmen vom Heraufsteigen in die obere Etage ist zu hören.

Schöpferin, ins Dunkel sprechend: Kommen Sie nur herauf, meine Damen!

Gleich haben Sie es geschafft.

Licht an. Man sieht Martha und Eva von verschiedenen Seiten die obere Etage besteigen.

Schöpferin: Nur Mut, nur heraufspaziert! Sie brauchen einen langen Atem!

Eva und Martha kommen außer Atem beim Thron der Schöpferin an.

Schöpferin, die Arme ausbreitend: Seien Sie willkommen, liebe Eva, liebe Martha! Eva und Martha umarmen sie. Nehmen Sie doch Platz! Zeigt auf den Thronsessel des Schöpfers. Stört doch keinen. Mein Mann ist mit Rute und Zuckersack unterwegs.

Eva und Martha setzen sich zusammen auf den Thronsessel des Schöpfers. Es gibt ein kleines Gerangel. So auch immer wieder im Laufe der folgenden Unterhaltung, in der sich Eva und Martha um die Platzverteilung auf des Schöpfers Thron rangeln.

Schöpferin: Was gibts?

Martha: Das sich da in Jahrtausenden nichts ändert …

Eva: irgendwann regredieren sie und werden für uns wie zusätzliche Kinder …

Martha: Sie quengeln …

Eva:  und müssen bei guter Laune gehalten werden …

Martha:  sie machen Dreck und lassen ihn liegen …

Eva: sie wollen gefüttert werden und lassen uns nicht weg …

Martha: sie fordern all unsere Aufmerksamkeit …

Eva: und wollen größer sein als sie sind …

Martha: sie brauchen unseren Trost, aber keiner soll’s merken …

Eva: sie bleiben da, wo sie sind, wenn wir sie nicht abholen.Schöpferin: Das alte Lied!

 

Schöpferin holt die Gitarre, Martha und Eva nicken und fangen an zu singen:

 

[a, E, III. Bund]

Martha und Eva:

Er sitzt den ganzen Tag herum,

er ist nicht dumm,

Schöpferin: eieieiei !

Martha und Eva:

Die Welt ist schlecht,

die Kinder schrei’n,

nichts ist ihm recht,

Schöpferin: eieieiei !

Eva und Martha:    

Überall sieht er Probleme,

dabei ist er so für’s Bequeme,

Schöpferin:

aber er kann doch nichts dazu,

er ist ein Mann, laß’ ihn in Ruh’,

alle, die Beine hin und her schlenkernd:

schubidududu, schubidududu!

Schöpferin:

Sie rennt den ganzen Tag herum,

als sei sie dumm,

Eva und Martha:

eieieiei!

Schöpferin:

Die Welt ist gut,

die Kinder schrei’n,

ihr liegt’s im Blut,

Eva und Martha:

              eieieiei!

Schöpferin:

Überall löst sie Probleme,

sorgt für’s launige Bequeme,

sie kann überall was dazu, sie ist ‘ne Frau,

drum schau’ ihr zu,

alle drei , Beine rechts und links schlenkernd:

schubidududu, schubidududdu!

Eva und Martha:    

Vielleicht hat er Millionen,

und könnte sich freu’n,

Schöpferin:

eieieiei!

Eva und Martha:    

Aber er pflegt die Depressionen

immer wie neu,

Schöpferin:

eieieiei!

Eva und Martha:    

Immer wieder schafft er’s zu sitzen,

während andere für ihn schwitzen,

Schöpferin:

aber er kann doch nichts dazu, er ist ein Mann,

laß’ ihn in Ruh’,

alle drei, wie oben:

schubidududu, schubidududu!

Schöpferin:

Vielleicht kriegt sie Almosen,

sie macht was daraus,

Eva und Martha:    

eieieiei!

Schöpferin:

Ihre Kinder pflegt sie wie Rosen

heimlich zuhaus,

Eva und Martha:

eieieiei!

Schöpferin:

Immer wieder schaftt sie’s zu schwitzen,

während andere ‘rumsitzen,

Eva und Martha:

sie kann überall was dazu, sie ist eine Frau,

drum schau’ ihr zu,

Alle drei, wie oben:

                    schubidududu schubidududu!

Schöpferin: Tja, meine Damen, was soll ich Ihnen da raten … Am besten machen Sie weiterhin das, was Sie für richtig halten. Ihre Männer werden nicht mitkommen. Eva und Martha seufzen. Wie lange sind Sie denn eigentlich verheiratet?

Eva und Martha unisono: Zwanzig Jahre.

Schöpferin, mit dem Zepter aufschlagend: Donnerwetter, meine Damen, das ist eine Leistung!

Eva, sie nachdenklich betrachtend: Ja, ja, es regiert sich so schön, wenn sie weg sind.

Martha: Aber irgendwie ist es auch unpraktisch.

Schritte sind zu hören.

Schöpferin: Gehen Sie, meine Teuren, mein Mann kommt zurück, und er kann es nicht leiden, wenn jemand auf seinem Thron sitzt.

Eva und Martha, kichernd, ab.

 

Vierte Szene:

Schöpfer kommt mit Nikolaussack über den Schultern heraufgestiefelt, setzt sich schweratmend auf seinen Thron.

Schöpfer: Die Kinder sind heutzutage so frech! Das ist unser Schal, das ist unser, unser, unser Schal. hat die Kleine einfach behauptet, den hat Mama neulich gefunden.

Schöpferin: Und nun?

Schöpfer: Jetzt haben sie ihn wieder in Händen. Ich dachte, ich könnte ihn so ganz diskret in den Sack stecken, aber nein: ein Riesengebrüll! Und die eine Mutter da, Martha, glaube ich, die hat mir Stricknadeln geschenkt und mir geraten, mir selber einen neuen zu stricken.

Schöpferin: Hören Sie, meine Worte!

Schöpfer: Scheißstrickerei, Scheißschlepperei, Scheiß…

Schöpferin: Hier haben Sie wieder Ihr Zepter!

Schöpfer nimmt das Zepter, etwas besänftigt. Sinniert.

Schöpfer: Aber die eine ist wirklich süß.

Schöpferin: Soso.

Schöpfer: Ja diese Eva. Wirklich hübsch und lieb und klug.

Schöpferin: In dieser Reihenfolge.

Schöpfer: Sagen Sie bloß, Sie sind eifersüchtig?

Schöpferin: Himmel! Nein! Wie kommen Sie denn da drauf?

Schöpfer: Ach so, verzeihen Sie, ich vergaß: Sie interessieren sich vorrangig für Ihre spirtuelle Entwicklung.

Schöpferin: Machen Sie ihr nur den Hof! Wie wärs an Dreikönig?

Schöpfer: Meinen Sie?

Schöpferin: Klar, kommen Sie, nehmen Sie das Zepter mit. Sie können sich dann auch ein bißchen aufstützen.

Schöpfer (nimmt das Zepter und haut auf den Boden): Haha, meine Liebe, Sie haben recht, man ist nur so alt, wie man sich fühlt.

Schöpferin: Sie sagen es! Und nun machen Sie es gut!

Schöpfer: Worauf Sie sich verlassen können.

Schöpfer ab nach unten.

Schöpferin, streckt und reckt sich auf ihrem Thron: Ach ist es so schön allein im Himmel!

 

Dritter Akt

 

Erste Szene: Feuerwerk

Dunkel, es kracht und bollert, Eisnebel und Leuchtkugeln.

In Zeitlupe treten die drei Könige auf. Es sind Adam, Samuel und der Schöpfer. Adam und der Schöpfer fangen an zu kämpfen. Samuel setzt sich abseits mit gesenktem Kopf auf eine Wippe. Während Adam und der Schöpfer weiterhin kämpfen, kommt Eva und setzt sich auf die andere Seite der Wippe. Sie wippen langsam, die anderen kämpfen. Dazwischen immer Feuerwerk und Eisnebel.

Schöpferin: Viel Glück im Neuen Jahr!

Dunkel.

 

Zweite Szene: Der Schöpfer beschwert sich

Schöpfer: Und dann hat doch dieser Adam tatsächlich versucht, mich fertigzumachen. Aber ich hab’s ihm gegeben, das kann ich Ihnen sagen!

Schöpferin: Und Samuel?

Schöpfer: Pah! Der saß die ganze Zeit nur herum und hat Trübsal geblasen.

Schöpferin: Ach ja, er ist so wunderbar traurig.

Schöpfer, sie nachäffend: Ach, er ist so wunderbar traurig!

Schöpferin: Sie ärgern sich doch nur, weil Sie bei Eva keinen Erfolg hatten.

Schöpfer: Ich frag’ mich, was die von dem will. Wir schlagen uns die Nasen auf, und sie geht zu dem, der so „wunderbar“ traurig ist.

Schöpferin: Ja, ja es gibt eben Dinge zwischen Himmel und Erde …

Schöpfer: Hören Sie bloß mit dem Gesäusel auf, Ihnen gefällt er wohl auch …, dieser melancholische Prinz …

Schöpferin: Samuel …

Schöpfer: Das verstehe ich einfach nicht, Sie!

Schöpferin: Das können Sie auch nicht verstehen.

Schöpfer: Warum kann ich das nicht verstehen? Ich kann mehr verstehen, als Sie denken!

Schöpferin: So?

Schöpfer, beleidigt: Ja, so. Und außerdem ist das unanständig.

Schöpferin: Was ist unanständig?

Schöpfer: Man verliebt sich nicht in die Frau eines anderen Mannes.

Schöpferin: Haha!

Schöpfer: Lachen Sie nicht, bei mir ist das etwas ganz anderes. Ich bin schließlich für alles verantwortlich …

Schöpferin lacht ihn aus.

Schöpfer: Ja, ist doch wahr.

Schöpferin will sich ausschütten vor Lachen.

Schöpfer haut mit dem Zepter auf.

Schöpferin: Sie sollen nicht so einen Krach machen, Mann!

Schöpfer hört auf, mit dem Zepter aufzuschlagen.

Schöpferin: Und was ist mit Martha?

Schöpfer: Ach, die interessiert sich doch nicht für Männer!

Schöpferin: Für Frauen?

Schöpfer: Nein, nein. Die Kinder gehen ihr über alles. Sie hat sich zunächst überhaupt nicht aufgeregt. Im Gegenteil. Das  könne sie verstehen, daß Samuel sich in Eva verliebt hat. Außerdem täte ihm das gut. Das höbe sein männliches Selbstbewußtsein. Nein, sie spüre überhaupt keine Eifersucht, auch wenn er das gerne hätte. Nein, zwischen ihr, Martha, und Samuel, wäre eben nicht mehr viel. Wenn sie nur diese Leidenschaft so gestalten könnten, daß die Familien, und vor allen Dingen die Kinder (!), nicht in Mitleidenschaft gezogen würden. Punkt.

Schöpferin: Aber ich habe sie weinen gesehen!

Schöpfer: Ja, aber erst, nachdem Adam jeden Kontakt zwischen den Familien verboten hat. Da hat sie geweint, wegen der Kinder … weil die sich doch so mögen und so weiter.

Schöpferin: Adam hat den Kontakt untersagt?

Schöpfer: Das war seine Bedingung! Und recht hat er! Wie kommt dieser Bursche dazu, sich an Eva ranzumachen!

Schöpferin: Ach, Sie stecken jetzt alles in den Korb hinein, den Sie von Eva bekommen haben! Eva hat wohl nicht angebissen?

Schöpfer: Paperlapaaa! Sie will romantische Liebe und faselt von „Durchlässigkeit“ und … weiß der Geier …

Schöpferin: Sehr sympathisch.

Schöpfer: Ach ja, Und wie sie ihren Adam damit fertigmacht, ist wohl auch „sehr sympathisch“, oder wie?

Schöpferin: Er hat ihr gedroht.

Schöpfer: Das hätte ich auch getan!

Schöpferin: Ist ja auch Ihr Mann, mein Herr!

Schöpfer: Alles was recht ist, aber da kann ich ihn verstehen. Eva hatte alles, was sie brauchte. Da kann man ja wohl verstehen, daß er von ihr verlangt, sie solle sich wie eine anständige verheiratete Frau verhalten!

Schöpferin: Und machen, was er will.

Schöpfer: Na ja, sie war lange genug zufrieden damit. Und auf einmal macht sie Sperenzchen und fordert Freiheit oder irgendsoeinen Quatsch!

Schöpferin: Sie können sie eben nicht verstehen.

Schöpfer: Nein, ich will so etwas auch nicht verstehen. Das lehne ich ab.

Schöpferin: Wie Adam.

Schöpfer: Jawohl, da bin ich mit dem Mann einig. Und außerdem ging sie zum Schluß auch noch zu Frauenvorträgen!

Schöpferin: Widerlich!

Schöpfer: Sie sagen es. Sie mißtrauisch ansehend: Machen Sie sich bloß nicht lustig über mich!

Schöpferin: Gott bewahre!

Licht aus.

 

Dritte Szene: Eva und Samuel leiden

Eva steht links auf der Bühne. Samuel rechts. In der Mitte als Grenze sitzen Adam, Martha und die Kinder. Eva und Samuel gehen rückwärts aufeinander zu, bis sie sich am Ende des Gesprächs an der „Grenze“ treffen.

Eva: Ich rannte und rannte, aber die Empfindlichkeit meiner Brüste …

Samuel: Als wir uns trennten, versuchte sie zu lächeln. Ein großer schiefer gequälter Mund –

Eva: Niemand durfte davon wissen …

Samuel: Ich wachte auf, wenn sie erwachte, ich fühlte sie atmen über Kilometer hinweg.

Eva: Du zeigst mir dich, ich staune und lerne dazu –

Samuel: Du –

Eva: Ich hätte Leben in mir abtöten müssen –

Samuel: Ich bin mir gewiß wie niemals zuvor.

Eva: Es ist alles so, wie du sagst.

Samuel: Als wir uns dann dennoch trafen,

Eva: waren wir angekommen.


 

Vierte Szene: Gericht

Scheinwerfer alle an. Der Schöpfer und  die Schöpferin sitzen auf ihren Thronen, alle anderen stehen unten. Martha und Adam rechts, Eva und Samuel links. Die Kinder sitzen im Kreis und spielen.

Schöpfer, haut mit dem Zepter:  Zur Sache Martha/Adam – uns zur Rechten – gegen Eva/Samuel – uns zur Linken. Anklage: Eva ist aus dem Paradies ausgebrochen.

Schöpferin: Eine denkende Mutter ist keine gute Mutter.

Schöpfer: Hören Sie auf zu provozieren, sonst muß ich Sie verwarnen.

Schöpferin: Sehr wohl, mein Ältester.

Schöpfer: Eva!

Eva, tritt hervor: Ja.

Schöpfer: Erzähle von deiner Ehe.

Eva überlegt und beginnt langsam: Ich betrachtete sein Gesicht, wenn er neben mir lag. Seinen Mund, sein Kinn, seine kaleidoskopierenden Augen.

Er war ein Baum für mich. Ein kräftiger Baum, an dem ich mich emporranken konnte. Ich spürte sein Regen, ich wuchs an seinem Harz entlang, er fühlte mein Wachsen. Ich schützte ihn, ich gab ihm Grün, und er gab mir Schatten.

Er hielt mich, und ich konnte mich in ihm wiegen. Seine Krone bewahrte mich vor Unwetter und fremden Blicken. Ich, Efeu, aber rankte und rankte, meine Phantasie wuchert über ihn hinweg.

Wir waren so schön miteinander. Ein Grün zu Grün. Ein Braun zu Braun. Ein Gold schimmerte aus uns beiden. Wie ähnlich waren wir uns, als wir uns liebten.

Schöpferin schneuzt sich.

Schöpfer: Ja dann verstehe ich aber nicht …

Eva: Wir waren einzig. Wir zogen uns von der Welt zurück, um einzig zu sein.

Schöpfer: Typischer Fall von Sektenbildung.

Eva: Wir aßen und tranken und waren froh, nicht dazuzugehören. Wir waren uns freiwillig verpflichtet.

Adam, hervortretend: Wir hatten in uns genug.

Eva: Wir hatten Angst vor den anderen.

Adam: Wir mußten uns schützen.

Eva: Vor dem Leben

Schöpfer: und der Lust.

Eva: Adam hat mir die Traurigkeit genommen und den Widerspruch. Mit gewaltigen Schenkeln geht er durch die Welt.

Adam: Ich habe alles getan und alles verloren.

Schöpferin: Dein gewaltiges Uns.

Schöpfer: Na, na.

Adam: Ja, es tut mir leid, Ich weiß, daß Sie das nicht gern sehen. Es ist aber schon lange nicht mehr vorgekommen.

Eva: Er hat von Trennung gesprochen.

Adam: Sie lebt im Wolkenkuckucksheim.

Schöpfer, schlägt mit dem Zepter auf: Schluß jetzt! Punktum! Wascht euere schmutzige Wäcshe gefälligst nicht vor dem jüngsten Gericht! Jetzt zu den anderen beiden! Martha! Samuel!

Martha, tritt vor: Er hat meine Tüchtigkeit ausgenutzt.

Samuel: Sie war wie eine Mutter.

Schöpfer: Um Gottes willen!

Schöpferin: Sie sagen es!

Schöpfer: Und sonst?

Samuel: Sonst?

Schöpfer: Ja, und sonst, Mann?

Samuel: Wenig.

Schöpfer: Na ja dann!

Martha: Aber ich brauche ihn für die Kinder.

Samuel: Ach komm!

Martha: Nein.

Samuel: Sehen Sie!

Schöpfer zur Schöpferin: Was meinen Sie?

Schöpferin: Die Ehe ist eben auch nicht mehr das, was sie mal war.

Schöpfer: Leider.

Adam: Von mir aus schon.

Schöpfer: Von mir aus auch.

Martha: Um der Kinder willen.

Kinder stöhnen entnervt.

Eva und Samuel sind derweil ein wenig gemeinsam zur Seite gegangen.

Samuel: Eva hat Gold in den Augen. Ich sehne mich so nach ihr, daß mir die Freiheit von dieser Sehnsucht wie eine steinige Wüste erscheint, eine Wüste, in der es keine Antwort gibt, kein Verlangen, nur die Pflicht zu überleben. Mein Ausgeliefertsein ist mein Glück.

Schöpfer: Pennälerliebe!

Eva: Sie sind im Recht, weil sie ordentlich sind. Aber aus unserem Verlangen entsteht die Welt. Das Üppig-Duftende, das Salzig-Betörende, die Tränenflut, das Geschehen und Geschehenwerden, das Todüberwindende – der Tanz auf unserm Geschlecht gebiert die Seligkeit unserer Kinder.

Schöpfer: Sie versteht es, Eindruck zu schinden, alles was recht ist.

Adam: Sie ist schön und lieb und klug, diese Kombination gefällt eben vielen Männern.

Schöpfer:  Ja, ja. Sie ist mein Geschöpf.

Schöpferin: Aber flügge geworden, wie?

Schöpfer:  Zum Henker, ja!

 

 

Fünfte Szene: Kindergezerre

Alle sind auf der Bühne, außer dem Schöpfer, der auf seinem Thron sitzt. Die Schöpferin hat sich zu Samuel gesellt.

Die Kinder tollen herum und rufen: Martha, Martha!

Samuel, verdrossen: Alle lieben Martha.

Schöpferin: So ist es.

Samuel: Nur ich nicht.

Schöpferin: Das ist es.

Samuel lacht.

Schöpferin: Du bist süß.

Samuel, wieder in sich versunken: Manchmal will ich nur neben ihr liegen, ohne berauscht zu sein, ohne berauscht zu werden, ich will dann nur neben ihr liegen und sie behüten und von ihr behütet werden.

Wenn ich mir wünsche, daß sie kommt, kommt sie. Wenn ich verwirrt bin, fragt sie. Wenn ich mich verirre, sucht sie mit mir einen Weg.

Schöpferin: Herrje!

Martha: Kinder, kommt wir spielen Tauziehn!

Kinder: Oh ja!

Adam: Martha und ich ziehen auf der einen Seite, und Eva und Samuel auf der anderen Seite.

Esther: Muß das sein?

Adam: Jawohl.

Felicitas: Ich geh’ zu Mama!

Esther: Ich auch.

Adam: Wollt ihr das wirklich?

Felicitas und Esther: Ja.

Adam: Aber ich bin stärker als Mama.

Esther: Trotzdem.

Felicitas: Mama ist auch stark.

Martha: Aber Samuel nicht.

Samuel: Du wirst schon sehen.

Martha: Was willst du mir denn beweisen?

Samuel: Ich muß dir gar nichts beweisen.

Martha: Doch.

Samuel: Nein.

Martha: Bitte, wenn sie eben die Frau deines Lebens ist!

Adam: Ich finde das geschmacklos.

Martha: Versuch’s nur.

Josef und Katinka: Wir gehen zu Mama.

Schöpferin zu Samuel: Los, Kerl, kämpfe!

Alle stellen sich auf. Eva und Samuel mit Esther und Felicitas nehmen das eine Ende des Seils, Martha, Adam, Josef und Katinka das andere Ende.

Schöpferin: Auf die Plätze, fertig los!

Alle ziehen. Zunächst sieht es so aus, als ob die Seite, auf der Martha und Adam ziehen, gewinnt. Die Schöpferin flüstert Samuel etwas zu. Eva und Samuel lassen scheinbar los, um dann aber plötzlich mit einem Ruck alle auf ihre Seite zu ziehen.

Licht aus.

 

Vierter Akt : Verkleidungen

 

Erste Szene:

Karnevalsmusik aus den Lautsprechern, z.B. „Im Karneval, da geht es richtig los“.

Die Kinder tanzen verkleidet herum. Als Prinzessin, Robin Hood, Indianerin und Eisbär.

Esther als Indianerin: Kommt mal her! Besprechung!

Felicitas als Prinzessin: Besprechung! Besprechung!

Josef als Robin Hood: Was gibt’s?

Esther: Kommt mal her.

Josef zu Katinka als Eisbär: Komm’ Katinka, Besprechung!

Katinka: Ich komme nicht!

Esther: Ach komm’ her, es geht uns alle was an.

Felicitas: Ich geb’ dir auch ein Gummibärchen, kleine Eisbärin!

Katinka kommt. Feli steckt ihr ein Bärchen zu.

Alle setzen sich in einen Kreis.

Esther: Liebe Brüder und Schwester vom Stamme der Koyoten!

Felicitas: Was ist denn das?

Esther: Ihr seid mein Indianervolk. Ich bin die Häuptlingsfrau.

Felicitas: Nein, ich will die Häuptlingsfrau sein!

Esther: Halt den Mund!

Felicitas: Halt’ du doch den Mund, blöde Kuh!

Esther: Ich bin keine Kuh, Baby, sondern die Häuptlingsfrau „Kluger Mut“!

Katinka: Mir ist langweilig. Kann ich noch ein Gummibärchen haben?

Josef: Gibt’s auch eine Friedenspfeife, „Kluger Mut“?

Felicitas: Ich habe Schokolandenzigaretten vom Papa bekommen!

Esther: Du hast wirklich keine Ahnung!

Felicitas: Hab’ ich wohl!

Esther: Hab’ ich nicht.

Katinka: Ich geh’ dann wieder.

Josef: Was gibt es, „Kluger Mut“?

Esther: Die Lage ist ernst, Brüder und Schwester!

Felicitas: Ich will auch „Kluger Mut“ sein.

Josef: Du bist doch Prinzessin „Weiße Perle“.

Felicitas: Oh ja!

Katinka: Und ich?

Josef: Das ist doch klar: Du bist „weiße Bärin“.

Katinka: Und du bist Robin Hood, nicht wahr?

Josef: Genau!

Esther: Bruder Robin Hood! Wir beide sind die Stammesältesten. Wir müssen Ratschlagen.

Josef: Die Lage ist ernst.

Esther: Sehr ernst.

Felicitas: Was ist denn eine „Lage“?

Esther: Liebe Schwester „Weiße Perle“, das bedeutet, daß es uns an den Kragen geht.

Katinka: Ich will zu Mama!

Esther: Hab’ Dank, „Weiße Bärin“, du hast recht. Das ist das Problem.

Josef: Ich bin so traurig, daß Papa nicht mehr bei uns ist.

Felicitas fängt an zu jammern: Ich will zu meinem Papa!

Esther: Brüder und Schwestern, wir alle leben in Restfamilien. Uns fehlen entweder Papa oder Mama. Entweder sind wir bei Mama, dann fehlt uns der Papa. Oder wir sind bei Papa, dann fehlt uns die Mama.

Josef: Wir wohnen bei der Mama.

Felicitas: Wir wohnen auch bei der Mama.

Katinka: Papa ist doof. Der hat sich verliebt.

Josef: Das ist sehr gefährlich.

Esther: Aber das, liebe Brüder und Schwestern vom Stamme der Koyoten, das ist auch unsere Chance.

Josef: Wieso?

Esther: Wir müssen kämpfen.

Josef: Wir müssen kämpfen.

Esther: Mit unseren Waffen.

Josef: Mit unseren Waffen.

Esther: Und was sind unsere Waffen?

Josef, überlegt, dann holt er seinen Köcher vom Rücken: Unsere Waffen sind Pfeil und Bogen, liebe Schwester „Kluger Mut“.

Esther: Genau.

Josef: Ich schieße auf Eva.

Felicitas: Spinnst du? Das ist meine Mama! Schreit. Mamaaa!

Esther: Psst! Sei doch still. Die Besprechung ist doch geheim.

Felicitas: Geheim?

Esther: Ja.

Katinka: Ein richtiges Geheimnis!

Esther: Ja, „Weiße Bärin“, eine richtige Verschwörung.

Josef: Aha, wir machen einen geheimen Plan.

Esther: Und damit überlisten wir unsere Eltern.

Josef: Oh ja! Aber meine Mama nicht. Die Mama ist lieb.

Esther: Ja, ja, ich hab’ deine Mama auch lieb und da hab’ ich mir überlegt …

Katinka: Mama verliebt sich nicht. Sie hat’s mir versprochen.

Esther: Ja, aber schau, mal: wenn Euere Mama sich in unseren Papa verlieben würde, dann hätten wir alle wieder eine komplette Familie mit Papa und Mama.

Josef: Du meinst, der Adam wäre dann mein Papa.

Esther: Genau. Mein Papa und dein Papa –

Felicitas: und mein Papa.

Esther: Klar, deiner sowieso.

Katinka: Mein Papa ist aber Papa Samuel. Ich will keinen anderen Papa.

Esther: Du kannst den Papa Samuel doch auch behalten. Sowieso. Du bekommst nur noch einen zusätzlichen Papa dazu.

Josef: Zwei Papas.

Esther: Und zwei Mamas.

Josef: Wenn sie alle wieder heiraten.

Esther: Genau.

Josef: Mama Martha und Mama Eva, Papa Adam und Papa Samuel.

Esther: Papas und Mamas kann man nie genug haben.

Felicitas: Mein Papa ist sehr lieb.

Katinka: Meiner auch.

Esther: Wir brauchen sie alle dringend.

Josef: Stimmt.

Esther: Wir müssen kämpfen.

Josef: Mit unseren Waffen.

Felicitas: Wenn ihr auf Mama schießt, sag’ ich’s Papa!

Esther: Wir schießen ja gar nicht auf die Eva-Mama, sondern auf die andere Mama!

Josef, erschrocken: Auf die andere Mama?

Katinka: Meine Mama ist aber lieb.

Esther: Ja, ja und deshalb soll sie sich ja auch in meinen Papa verlieben, dann ist sie auch meine Mama.

Felicitas: Ich kann das noch nicht verstehen, ich gehe noch nicht zur Schule.

Esther: Ach Feli, hör’ mal zu: Du und ich wollen nicht allein mit der Mama leben, und Josef und Katinka auch nicht. Und jetzt haben sich doch Mama und Samuel verliebt. Da können wir halt nichts mehr machen. Aber wir könnten doch machen, daß sich die Martha-Mama in unseren Adam-Papa verlieben. Dann wären wieder alle zusammen, nur andersherum.

Josef: Ja, aber wie machen wir das denn?

Esther: Mit verzauberten Liebespfeilen.

Katinka: Zauber ist fein.

Esther: Ja, ich kenne da eine Hexe, und die macht uns einen Zaubertrank. Dahinein tauchen wir unsere Pfeile und die schießen wir dann auf Adam und Martha ab. Denn wer von dem Zauberpfeil getroffen worden ist, der verliebt sich in die nächste, die er sieht und umgekehrt.

Felicitas: Aber das piekst doch.

Esther: Das sind doch nur Gummipfeile. Es kommt vor allen Dingen auf den Zaubertrank an, in den die Pfeile getaucht sind.

Josef: Ich schieße dann auf Mama. Dann verliebt sie sich auch. Das ist nur gerecht, wenn Mama auch einen neuen Mann bekommt.

Esther: Okay, dann schieße ich auf Papa und sorge dafür, daß ihm zuallererst Martha begegnet.

Felicitas: Dann müssen sie heiraten.

Katinka: Oh ja, ich will mal bei einer Hochzeit dabeisein.

Esther: Ich auch. Aber zuerst, Brüder und Schwestern vom Stamme der Koyoten, müssen wir kämpfen.

Josef steht auf:  Laßt uns zu der Hexe gehen.

Katinka: Ist das eine liebe oder eine böse Hexe?

Esther: Na ja, wenn sie uns hilft, ist sie doch eine gute Hexe, oder?

Katinka, zögernd: Jja.

Josef: Außerdem sind wir in der Mehrzahl.

Felicitas: Und ich nehme noch unser Meerschweinchen mit, das ist stark.

Katinka: Oh ja. Und ich nehme die Vollkornplätzchen, die geben Kraft.

Esther: Wir müssen kämpfen!

Alle: Wir müssen kämpfen!

Alle ab.

 

Zweite Szene: Schöpferin und Schöpfer verkleiden sich

Licht auf die obere Etage. Schöpfer und Schöpferin sitzen allein auf ihrem Thron.

Schöpfer, deprimiert: Ich weiß nicht, dieser ganze Karnevalsrummel, es kommt mir alles so sinnlos vor.

Schöpferin: Seien wir keine Spielverderber. Die Menschen brauchen das  zuweilen, alles auf den Kopf zu stellen, das wissen Sie doch. Einmal im Jahr gehen die Uhren verkehrt herum, dann läßt sich’s um so leichter regieren.

Schöpfer: Sie haben recht. Der Rummel gehört zum Geschäft. Lustlos. Wenn ich nur wüßte als was ich mich dieses Jahr verkleiden soll!

Schöpferin: Pinguin?

Schöpfer: Ich bitte Sie! Höchstens Kaiserpinguin!

Schöpferin: Sebstverständlich, höchstens! Oder wie wärs mit –

Schöpfer: Pirat? Das war ich schon so oft. Und auch Scheich und Monster und –

Schöpferin: Zauberer, vielleicht?

Schöpfer, überlegt: Zauberer? Hhm keine schlechte Idee. Ja. Er springt auf. Sie inspirieren mich immer wieder! Und das in Ihrem Alter! Ja, Zauberer ist gut.

Schöpferin, milde lächelnd: Nicht wahr, das ist ein guter Einfall?

Schöpfer, sie begeistert küssend: Ausgezeichnet, ganz ausgezeichnet. Sie dann betrachtend. Und Sie? Als was gehen Sie dieses Jahr? Wieder als Maulwürfin oder als Vogelscheuche?

Schöpferin: Nein, nein, lassen Sie sich überraschen!

Schöpfer: Das klingt ja richtig aufregend.

Schöpferin: Ja, ja. Aber jetzt gehen Sie. Sonst ist Karneval vorbei, ehe wir gefeiert haben.

Schöpfer: Sie haben recht, wie immer. Machen Sie’s gut, meine Liebe. Da bin ich aber mal gespannt.  Er steigt hinunter.

Als er weg ist, fängt die Schöpferin an, hinter ihrem Thron zu kramen. Sie holt verschiedene Verkleidungen und Perrücken etc. hervor und probiert einiges aus.

Schöpferin: Er ist wirklich zu süß. Wenn ich nur wüßte, auf welchem Typ er steht.

Sie zieht sich aus und an. Meist aufreizende Klamotten und betrachtet sich in einem Handspiegel. Schließlich entscheidet sie sich für ein schwarzes Minikleid und eine schwarze Kurzhaarperrücke.

Schöpferin, sich betrachtend und dann schminkend: Ah, das ist gut, so ein bißchen Französisch vielleicht. Ah oui, Ganz zart. Das mag er vielleicht. Oui, oui, voulez-vous soisante-neuf, bonsoir, chérie … aaahh!

Plötzlich Kinderrufe: Hexe, Hexe, wo bist du?

Schöpferin: Wie, was? Das geht aber schnell. Kaum bin ich angezogen. Zurückrufend: Hier bin ich! Kommt nur hoch!

Kinder: Wohin hoch?

Schöpferin: Na, in den siebten Himmel!

Kinder steigen hoch.

Katinka: Das ist bestimmt eine liebe Hexe, wenn sie im Himmel wohnt.

Esther: Sag’ ich doch.

Josef: Warst du schon mal da oben?

Esther: Nein, aber meine Schulfreundin hatte mal einen Verliebten. Und dem hat sie immer  Liebesbriefe geschrieben und sich von der Hexe im siebten Himmel Zaubertinte dafür geben lassen. Der war vielleicht verknallt, kann ich dir sagen!

Kinder kommen oben an.

Kinder: Guten Tag!

Schöpferin: Bonjour. Asseyez-vous, s’il vous plait.

Josef: Was hat sie gesagt?

Esther: Ich glaube, wir sollen uns setzen.

Die Kinder setzen sich alle auf den Thron des abwesenden Schöpfers. Es dauert eine Weile, bis jeder/jede sich ein Plätzchen gesichert hat.

Esther, sich räuspernd: Entschuldigen Sie bitte die Störung. Wir wollten Sie nur um etwas Zaubersaft bitten.

Schöpferin: Ach oui, juis de miracle, je comprends. Sie holt eine Flasche hinter dem Thron hervor und gibt sie Esther.

Esther: Dürfen wir dahinein mal unsere Pfeilspitzen tauchen?

Schöpferin: Oui, oui, naturellement.

Felicitas: Warum quietscht sie immer?

Esther: Sie quietscht nicht, sie spricht Französisch, glaube ich. Esther taucht ihre und Josefs Pfeilspitze in die Saftflasche und gibt sie wieder zurück.Vielen Dank!

Schöpferin: Ah oui, merci bien!

Esther: Wir gehen dann wieder.

Schöpferin: Au revoir!

Esther und Josef: Auf Wiedersehen.

Esther: Grüßen Sie Ihren Mann.

Schöpferin lacht.

Josef, indem sie absteigen: Woher weißt du, daß sie einen Mann hat?

Esther: Na der zweite Thron, du Eumel.

Josef: Ach so, ja.

 

3. Szene:

Untere Etage. Häusliches Ambiente durch zwei herumstehende Stühle angezeigt und z..b einen Gummibaum. Martha und Samuel vor einem Spiegel.

Martha: Ich mache das nur wegen der Kinder.

Samuel: Das ist mir klar.

Martha: Sie haben sich so auf den gemeinsamen Faschingsball gefreut.

Samuel: Schon gut. Wo hast du eigentlich die Uniform her?

Martha: Mein Vater war doch Offizier.

Samuel: Ach ja, natürlich.

Martha: Und du gehst als Prinz?

Samuel: Hhm.

Martha: Das habe ich auch noch nie an dir gesehen.

Samuel sagt nichts und zieht sich an.

Martha verläßt die Bühne, dabei die Stühle und den Gummibaum mit sich schleppend, evtl. mehrmals hin und hergehend, bis Bühne leer ist.

 

4. Szene: Evas und Samuels Liebestanz

Eva, verkleidet als Vogel und Samuel im Prinzenkleid tanzen einen freien Tanz. Evtl. Text von Eva und Samuel aufgenommen aus Lautsprechern  um der tänzerischen Bewegung willen.

Eva und Samuel liegen zunächst am Boden, erheben sich dann im Laufe des Gesprächs zum Tanz.

Samuel : Immer wenn du Träume hast, hälst du die Hände vors Gesicht.

Eva: Ich habe keine Angst mehr dich anzusehen. Steht auf und zieht ihn zu sich hoch.

Samuel: Du mußt so viel träumen. So viel alpträumen, daß es dich bis zum Morgen erschöpft.

Eva: Ich habe mir nicht vorstellen können, ein Blau so sehr lieben zu können. Dein Blau. Deine Samtseenblau.

Samuel:  Du sollst nur mir gehören, und doch will ich, daß du wirkst in der Welt.

Eva: Du sollst nur mich berühren, und doch ist es mit jedem Mal wunderbar, mit dir die Verletzlichkeit anderer zu entdecken.

Samuel: Und doch ist es mir, als ob ich Ruhe endlich nur in dir finde.

Eva: Ist dein Dasein mein Meditieren –

Samuel: Ich will, daß du glücklich bist, gelassen und frei –

Eva: Alles öffnet sich, erkennt sich.

Samuel: Ja.

Eva: Ja.

Samuel: Wir müssen allein sein und uns gehen lassen.

Sie kämpfen und balgen, bis sie erschöpft sind. Sie bleiben liegen und sprechen.

Eva: Ich fürchte dich, weil du alles willst.

Samuel: Ich will dich mit den Augen lieben.

Eva: Ich will dir tausendmal sagen, daß ich dich liebe.

Samuel: Ich will weinen mit dir.

Eva: Manchmal vermisse ich dich so, daß mir eine Finsternis das Herz zusammenzieht.

Sie bleiben liegen..

 

5. Szene: Die Verführung der Hexe (Traum)

Buntes Licht. Eisnebel. Tranceartige Musik. Traumatmosphäre. Die Schöpferin, verkleidet als „französische“ Hexe, steigt von oberer Etage herab zu dem auf dem Boden liegenden träumenden Paar.

Hexe stellt sich über Samuel, sie dreht ihn auf den Rücken, macht über ihm laszive Bewegungen. Nimmt seine Hand, streichelt sich mit seiner Hand. So geht das eine Weile, schließlich zieht sie ihn zu sich hoch und hinter sich her zur oberen Etage, wo es aber dunkel bleibt.

Eva als Vogel regt sich. Sie sucht Samuel. Alles lautlos. Verzweifelt. Beginnt, sich Federn auszurupfen. Sie zieht ihr Vogelkleid aus, zieht sich ein Sackkleid an. Setzt sich in eine dunkle Ecke der Bühne

Spot auf die obere Etage. Prinz und Hexe schwelgen. Sie sitzt auf seinem Schoß, Champagnergläser in den Händen. Essen Häppchen. Allmählich aber wird der Prinz bedrückt. Er versucht, sich aus den Armen der Hexe zu befreien. Schließlich läßt sie ihn verärgert los. Er steigt hinab.

Er sucht Eva. Musik wird zerrender. Auch er muß sein Kostüm lassen. Er sieht nicht mehr prinzenhaft aus. Er sieht nackt und schmutzig aus (dunkle Wäsche unter dem Prinzenkostüm).

Beide gehen nun langsam und bedrückt auf der Bühne hin und her, aber immer aneinander vorbei. Sie erkennen sich zunächst nicht.

Als sie sich schließlich erkennen, gehen sie nebeneinander, aber in einigem Abstand. So verlassen beide die Bühne.

Dunkel.

 

6. Szene: Die abgeschossenen Pfeile auf dem Faschingsball

Bühne grell erleuchtet. Laute Karnevalsmusik. Faschingsball. Es wird getanzt, gegessen und getrunken. Alle sind verkleidet. Samuel wieder als Prinz, Eva wieder als Vogel, Martha in Offiziersuniform, Adam als Bär. Die Schöpferin als französische Hexe. Der Schöpfer als Zauberer. Die Kinder als Robin Hood, weiße Bärin, Indianerin und Prinzessin.

Samuel und Eva tanzen Foxtrott. Adam trinkt Bier. Martha spielt mit den Kindern Eierlaufen. Der Schöpfer hilft die heruntergefallenen Eier wieder aufzuheben. Die Schöpferin steht mit einem Glas Champagner herum und beobachtet das tanzende Paar.

Josef als Robin Hood und Esther als Indianerin tuscheln. Sie nehmen je einen Pfeil aus ihren Köchern. Langsam gehen sie rückwärts auf die vorderen Bühnenseiten. Josef rechts, Esther links. Sie knien sich hin und spannen ihre Bögen.

Eva und Samuel tanzen. Kinder schießen ihr Pfeile ab. Die Pfeile treffen auf der einen Seite Martha und auf der anderen Seite den Schöpfer.

 

Schöpfer, brüllt: Au! Musik aus. Was soll denn das?

Adam, zu ihm hineilend: Entschuldigen Sie bitte! Die Kinder. Zu den Kindern brüllend: Was soll denn das?

Schöpfer betrachtet Adam.

Josef und Esther, murmelnd: Wir wollten doch nur ….

Martha, irritiert vor sich hinsehend und sich die Schläfe reibend: Ich verstehe gar nicht … Bekomme ich wieder Migräne?

Schöpfer: Ach was, gute Frau, das waren die Kinder.

Martha, sieht hoch und ihn an: Die Kinder?

Schöpfer: Ja.

Martha, desorientiert: Welche Kinder?

Schöpfer: Ihre Kinder und die Kinder Ihres stattlichen Freundes hier. Er nickt zu Adam hin und lacht ihn an.

Adam: Keine Ahnung, was in die gefahren ist.

Schöpfer, gutgelaunt: Macht ja nichts! Ihn am Arm fassend.  Trinken Sie noch ein Bier mit mir?

Adam: Hhm.

Schöpfer: Na, wir vertragen doch einiges, oder?

Martha, die die ganze Zeit ihren blick  nicht vom Gesicht des Schöpfers gelassen hat: Ich möchte auch ein Bier, bitte.

Schöpfer, erstaunt: Sie?

Martha, weggetreten: Jaa, das wäre ganz bezaubernd.

Schöpfer: Na gut, von mir aus.

Licht aus.

 

Fünfter Akt

 

Erste Szene:

Obere und untere Etage erleuchtet.

Schöpfer und Schöpferin auf ihren Thrönen, wieder in Rgierungsmontur, d.h. weiße Gewänder, Zepter usw.

Unten steht Martha.

Die Kinder stehen auf der anderen Seite und schauen zu.

Schöpfer: Ach, er ist so schön und stark!

Schöpferin: Wer?

Schöpfer: Adam, mein Adam!

Schöpferin: Ach der!

Schöpfer: Er ist super.

Schöpferin: Na ja, er ist ja auch Ihr Mann!

Schöpfer: Ja, mein Mann! Mein starker Mann!

Schöpferin: Was ist denn mit Ihnen los?

Schöpfer: Wieso?

Schöpferin: So liegt Ihnen der Mann am Herzen?

Schöpfer: Oh ja, nur! Nur er! Schon der Dreikönigskampf mit ihm war so erregend.

Schöpferin: Sie sind schwer getroffen!

Schöpfer: Ja.

Schöpferin: Komisch.

Schöpfer: Die Liebe ist eine Himmelsmacht.

Schöpferin: Kommt darauf an.

Schöpfer: Sie sind allzu ernüchternd.

Schöpferin: Allerdings.

Schöpfer: Was ist denn los? Sie betrachtend. Sie sahen wirklich erstaunlich attraktiv aus auf dem Ball.

Schöpferin, trocken: Danke!

Schöpfer: Im Ernst, ich hätte Sie kaum wiedererkannt. Richtig reizend.

Schöpferin: Aufreizend, wollten Sie wohl sagen.

Schöpfer, schulterzuckend: Ach Gott!

Schöpferin: Hören Sie doch auf!

Schöpfer: Warum denn?

Schöpferin: Ich kann das nicht mehr hören.

Schöpfer, besorgt: Sie sind aber verdrießlich.

Schöpferin. Ich habe eben meine Zweifel.

Schöpfer: Himmel! Das dürfen Sie nicht! Wir müssen doch die Stellung halten. Hält sich an seinem Thron fest, als würde er ins Wanken geraten.

Schöpferin: Tun Sie das!

Schöpfer: So kenne ich Sie gar nicht!

Schöpferin. Nein!

Schöpfer: Nnnnein.

Schöpferin: Nein! heißt das. Stramm und klotzig: Nein!

Schöpfer: Nein.

Schöpferin. Genau.

Schöpfer: Habe ich toll gemacht, oder?

Schöpferin. Nein!

Schöpfer, maulend: Och, Ihnen kann man heute aber auch gar nichts recht machen.

Schöpferin: Nein.

Schöpfer: Ich verstehe.

Schöpferin: Sie verstehen überhaupt nichts.

Schöpfer: Doch, doch, Papa weiß alles!

Schöpferin:.Sind Sie doch ruhig, Mann!

Schöpfer: Na, na! Was ich weiß, das weiß ich halt!

Schöpferin: Unterstehen Sie sich!

Schöpfer: Ach wie gut, daß niemand weiß, daß ich Guter alles weiß.

Schöpferin: Liebe macht blöd.

Schöpfer: Manchmal, ja.

Schöpferin: Schauen Sie sich doch selbst an.

Schöpfer, beleidigt: Treten Sie nicht auf meinen Gefühlen herum, nur weil Sie nicht bei Ihrem traurigen Prinzen landen konnten.

Schöpferin. Hören Sie auf!

Schöpfer: Sie hatten gar keine Chance, geben Sie’s doch zu. Er wollte nur seine einzige Liebste!

Schöpferin: Aufhören! Aufhören!

Schöpfer: Ja, gleich doch, nur noch ein paar Szenen!

Josef: Schöner Mist! Wir haben die Falschen erwischt!

Esther: Ach Mensch, Papa Adam hat sich auf einmal hinter diesen Zauberer gestellt, und da hab’ ich den mit meinem Pfeil getroffen.

Josef: Und dann hat der zuerst Adam angeguckt

Felicitas, kichernd: und sich in den verguckt.

Josef: Und ich habe zwar Mama Martha getroffen, aber die hat ja nur Augen für den da –

Martha, unten stehend mit gefalteten Händen zu dem Thronenden schauend: Ach, lieber, mein liebster Schöpfer mein. Wie gut du bist! Wie klug und stark! Mein Schöpfer, mein Alles Schöpferin: Was ist denn mit der Frau?

Schöpfer: Sie himmelt mich an. Kann man doch verstehen, oder?

Schöpferin: Wie es ihr gefällt.

 

2. Szene

Eva rennt im Vogelskostüm über die Bühne. Die Kinder hinter ihr her.

Kinder: Mama! Mama!

Rupfen sie.

Eva: Kinder, ich muß’ mich mal ausruhen!

Kinder: Nein, Mama, sing, Mama, tanz, Mama flieg mit uns nach Afrika!

Eva: Ich kann nicht mehr!

Kinder: Ooch, wie langweilig! Dann geh’n wir halt zu Papa! Der macht viel mehr mit uns.

Eva, stöhend, rafft sich wieder auf und läßt sich weiter von den Kindern über die Bühne scheuchen.

 

3. Szene:

Von links kommen Adam und Feli über die Bühne. Von rechts Martha und Katinka.

Ada trägt hält Feli im Arm.

Adam: Brrrr! ist das kalt, Schatz, nicht wahr?

Feli: Ja, es ist so kalt, Papa. Zieht ihren Schal aus und gibt ihn Adam. Hier, Papa nimm’, damit du nicht so frierst.

Adam: Das ist lieb von dir. Zieht den Schal um.

Felicitas: Das ist der Schal vom Nikolaus.

Stimme von oben: Allerdings.

Martha hat Katinka an der Hand.

Katinka:  Mama, ich verspreche dir, ich geh’ nicht mehr zum Papa, weil der doch böse ist.

Martha: Das ist lieb von dir.

 

4. Szene:

Josef und Katinka rennen über die Bühne, ihr Vater Samuel im Prinzenkostüm hinter ihnen her.

Samuel: Ich krieg’euch schon!

Kinder:  Was machst du mit uns?

Samuel: Ein  Superwochenendprogramm!

Josef: Vielleicht kommen wir!

Samuel will erleichtert aufseufzen.

Katinka: Vielleicht auch niicht!

Die Jagerei geht weiter. Alle ab.

 

5. Szene: 

Eva und Samuel kommen außer Atem von verschiedenen Seiten auf die Bühne.

Langsam ziehen sie ihre Kostüme aus.

Dann legen sie sich nebeneinander.

Eva: Die Welt ist banal und ermüdend.

Schöpfer von oben: Adam hat recht. Sie will ins Wolkenkuckucksheim.

Samuel, heraufrufend: Na und? Was kümmert Sie das?

Eva lacht und setzt sich hin.

Samuel: Ich will dich nicht lieben, weil ich die Welt fürchte.

Eva: Ich will dich nicht herbeiwünschen, nur weil ich mich mit mir selbst langweile. Ich will dich nicht aus deinem DAsein drängen, nur weil ich träge bin. Ich will nicht in deinen Armen liegen, nur weil es bequemer ist, als mich selbst zu betten. Ich will dich nicht lieben, nur weil ich die Unruhe der Lust spüre. Ich übe mich im Alleinsein für dich.

Samuel:  Manchmal habe ich Angst, du könntest irreal werden.

Eva: Manchmal fürchte ich, ich könnte erwachen und ohne deine Sehnsucht sein.

Sie umarmen sich.

Samuel: Die Lust nicht erzwingen …

Eva: wie den Zauber –

Samuel: geschehen lassen –

Eva: dankbar, wartend …

Samuel, langsam aufstehend, neckend: Aber der Traum mit der Hexe, das war doch blanke Projektion, liebe Eva!

Eva: Du meinst, ich wollte mir selber von dem Zauberer becircen lssen und dann habe ich das von dir geträumt.

Samuel: So ist es Liebste.

Eva: Ach, ja, aber wenn die Frauen erst einmal herausbekommen, wie verliebt du sie machen kannst…

Samuel, lachend: So, dann bist du immer noch verliebt?

Eva: Glühend!

Samuel, neckend: Also, ich habe mich kundig gemacht. Man sagt, daß diese Verliebtheit allenfalls zwei Jahre andauern könne. Dann würden die Endorphine nicht mehr mitmachen. Höchstens fünf, meint Goethe. Dann wäre eine Generalüberholung dran.

Eva: Und was machen wir dann?

Samuel: Dann heiraten wir!

Kinder, plötzlich von allen Seiten herbeiströmend und schreiend: Oh ja, dann heiraten wir!

 

6. Szene:

Martha und Adam, von der selben Seite auf die Bühne kommend:  Was ist los?

Kinder, sie freudig in Empfang nehmend: Wir heiraten! Wir heiraten! Dann bettelnd: Heiratet ihr doch auch! Ach, bitte! Bitte!

Esther und Felicitas: Papa, bitte!

Josef und Katinka: Mama, bitte!

Schöpfer von oben: Komm’ schon, der Kinder zuliebe!

Martha, nach oben schauend: Na gut!

Schöpfer: Adam, bei ihr weißt du wenigstens, woran du bist.

Schöpferin, kichernd: Sie wird ihm ganz schön einheizen!

Schöpfer: Wer weiß! Neuer Mann, neue Martha!

Adam: Ich habe Bedenken.

Kinder: Oooch!

Adam: Na, dann bräuchten die anderen beiden ja nicht mehr so ein schlechtes Gewissen zu haben.

Eva und Samuel: Oh ja!

Adam und Martha: Das könnt euch so passen!

Kinder, durcheinander: Ooch, seid keine Frösche!

Esther: Wir kitzeln sie so lange, bis sie ja sagen!

Kinder stürzen sich auf Martha und Adam.

Martha und Adam: Hört auf, wir ergeben uns!

Kinder: So ist’s recht.

Felicitas: Jetzt noch einen Kuß, und dann ist Schluß.

Schöpfer: Halt, erst will ich meinen Schal wiederhaben!

Schöpferin: Meinen Schal, mein Lieber.

Schöpfer: Zum Donnerwetter, Sie müssen aber auch immer das letzte Wort haben!

Schöpferin: Ja.

Eisnebel. Es wird dunkel. Alle bewegen sich in Zeitlupe von der Bühne. Eva und Samuel legen sich hin und schlafen „Löffelchen“.

 

–   Ende  –