Kopfüber. Erzählungen. Gedichte. Lustspiel

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Paula C. Georges. “ Kopfüber“: Erzählungen, Gedichte, Lustspiel, 1999 ISBN 3-00-004451-5


Aus dem Vorwort der Literaturwissenschaftlerin Dr. Rosemarie Zens zu „Kopfüber“:

‘Erzähl’ mir von deinen Bildern. Erzähl’ – diese Aufforderung gibt die Autorin Paula C. Georges an ihre Figuren selbst weiter, die ganz aus ihrem Innern heraus ihre jeweiligen Geschichten entwickeln. Im Mittelpunkt steht die Gesprächssituation, die Mitteilung im Monolog, Dialog, indirekter oder direkter Rede, sei es in poetischer, dramatischer oder Prosaform. Dabei sprechen die Figuren gemäß ihrer Bewusstseinshöhe, niemals werden sie von der im Hintergrund bleibenden Autorin verraten. Sie behalten ihre Würde auch in Situationen der Zumutungen, wie in ihrer Tapferkeit gegenüber Behinderungen in ‘Julia’, der Gewalt unter Jugendlichen in ‘S.F.’, gegenüber Vergewaltigung in ‘Lass’ uns lachen, Emanina’ oder Krankheit in der Erwachsenen- und Kinderwelt in ’Temporär’. Das Leben selbst und die Hoffnung sind stärker und es gibt immer eine Entscheidungsfreiheit im Rahmen des Möglichen. Und wenn die Grenzen zu eng gesetzt erscheinen, darf auch gezürnt werden wie im ‘Wutgesang des Jonas’ mit dem Schattengott. Deutlich wird andererseits aber auch, daß Jona von einer Gerechtigkeit träumt, die das menschliche Maß allein in das Zentrum rückt. Dazwischen gestreut sind die Haikus ’Im Tümpel’, ‘Ein Rabe’ und ‘Kopfüber’, die von Geheimnis und Übermut zeugen. Beides ist auch in den menschlichen Begegnungen zu spüren, in denen Nähe und Ferne sich gegenseitig bedingen und im Wechsel ablösen. Eindeutig liegen die Sympathien bei denen, die sich mit den als fremd Empfindenden, den Außenseitern in ‘Alfredo’ z.B., oder dem Andersartigen in sich selbst auseinandersetzen. In diesen Spiegelgeschichten erfolgt die Vergewisserung durch das ‘In den eigenen Spiegel Blicken’ in ‘Wir sind anders’, wie auch durch das Sich dem anderen Hingeben der inneren ‘wilden’ Frau in der wunderbaren Geschichte von ‘Rahels Traum’ mit den Bildern voller Kraft und Schönheit. Zum Widerspiel einer wilden und gezähmten Natur kann aber auch der Kampf um Trauer und Vergeben gehören wie in ‘Abschied’ im gleichnamigen Gedicht über eine sterbende Frau. Und während die Wahlverwandtschaft in der Gegensätzlichkeit der beiden Frauen ‘Bettina und Rahel’ erd- und naturnah erzählt wird, können wir in szenischer Abfolge in ‘Ehelos’ die Entwicklungsgeschichte zweier archetypischer Paare miterleben. Ausdrücklich als Lustspiel deklariert, zu dessen Personal die Kinder der Eheleute wie der Schöpfer und die Schöpferin gehören, bekräftigt es den Anspruch der ‘Kunst’ als ‘Fähigkeit, den Bewegungen des Herzens zu folgen’. Zwischen der ‘Furcht, erwachsen zu werden und ohne Sehnsucht’ zu sein und dem ‘Tauziehen’ als einem trickreichen Spiel vom Loslassen sind wir eingebunden in einen sprachlichen und gedanklichen Rhythmus, der ernst und heiter Leben selbst repräsentiert. Der Feier dieses Lebens im Gedicht ‘Endlos’ zugewandt, wünschen wir als Leser und Zuschauer weiter Teil dieser ‘Welt’ zu sein ‘voll Erzählungen, die niemals aufhören, niemals-‘.

Juni 1999.  Dr. Rosemarie Zens