CD Nah und fern (2002)

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1. Lustblues

Lustblues

 Ich hab’ ein langes leeres Zimmer,
weil ich dich so vermisse.
Ich hab’ ein langes leeres Zimmer,
weil ich dich so vermisse.
Ich seh’ und sehe nicht,
ich hör’ mich selber sagen:

 Ich habe keinen Grund zu klagen,
ich bin klug und bescheiden.
Ich habe keinen Grund zu klagen,
ich bin klug und bescheiden.
Aber manchmal hör’ ich die
schwarze Katze in mir klagen.

Ich hab’ ja gar nicht mehr gewußt,
wie so ein Doppelmensch sich anfühlt.
Ich hab’ ja gar nicht mehr gewußt,
wie so ein Doppelmensch sich anfühlt.
Dein Schweiß, meine Haut,
unsre Rücken, unsre Münder.

 Ich habe Angst, dass das mal aufhört,
deine Lust, mich zu spüren.
Ich habe Angst, dass das mal aufhört,
deine Lust, mich zu spüren.
Deine Liebe macht mich frei,
ich atme für zwei!

2. Nah und fern

Nah und fern

 Der Liebste ist der Größte,
wenn er gut gelaunt,
die Liebste ist die Schönste,
wenn sie nicht Nägel kaut.
Die Schwester ist die liebste,
macht sie, was ich sag’,
und Mama ist ein Schatz, ´
wenn sie mich nicht ausfragt.

 Refrain

 Nah und fern
hab’ ich dich gern,
und du kannst mich ah gern habe.

Der Hund, der ist der treuste –
lässt er dich auch mal geh’n,
nur Kinder, das bereust’e,
willst auch was andres sehn.
Die Schüler sind die besten,
tun sie auch was allein,
ein Arzt, der  wird gefährlich,
will er unentbehrlich sein.

Nah und fern
hab’ ich dich gern,
und du kannst mich ah gern habe.

Bekannte können nett sein,
doch nicht für jeden Tag,
Verwandtschaft ist erbaulich,
nicht nur hinterm Sarg.
Süßes ist süß und fraulich,
aber schwer verdaulich,
Männer dürfen blöd sein
und/oder vertraulich.

Nah und fern
hab’ ich dich gern,
und du kannst mich ah gern habe.

 Gewitter sind beruhigend,
wenn sie bald vorbei,
für’n Schneemann kann Wärme
auch mal lustlos sein.
Zum Fliegen brauchts die Sonne,
aber nicht zu nah,
Heimweh kennt nur die,
die nicht zuhause war.

 Refrain

3. Börsenlied

Börsenlied

Wir alle wollen Anteile und beißen in den Cash
ein Blueship noch und spekuliert
schnell vor dem nächsten Crash.
Wir wissen nicht, was hintersteckt,
wenn die Rendite stimmt,
s’ist alles global ausgeheckt,
wer Börse hat, gewinnt!

Refrain    

Was macht das schon,
komm’ mecker’ nicht,
  Hauptsache, wir wer’n reich,
wer guckt denn schon und kümmert sich
im Keller um die Leich’

  Wer weiß denn schon noch,
wer mit wem mit was die Kasse macht,
schnell umbenannt und fusioniert,
entlassen über Nacht.
Ob peng peng peng,
ob bäng, bäng, bäng,
barbusig an der Front,
wir sehen nicht und hören nicht,
doch rechnen so gekonnt.

Was macht das schon,
komm’ mecker’ nicht,
  Hauptsache, wir wer’n reich,
wer guckt denn schon und kümmert sich
im Keller um die Leich’

   Wie hab’n wir früher uns geniert,
wir hatten mal Moral,
doch wenn’s uns pekuniär pressiert,
dann kenn’ wir keine Wahl.
Wir müssen immer mehr gewinnen,
sonst finden wir uns blöd,
was die da anstelln, ist doch toll,
komm; schlucken wir die Kröt’

Was macht das schon,
komm’ mecker’ nicht,
  Hauptsache, wir wer’n reich,
wer guckt denn schon und kümmert sich
im Keller um die Leich’ 

4. Schön wie ein Modell

Schön wie ein Modell

Lautlos lacht sie und gewinnt
eine weiße Königin.
Sie ist so, wie sie scheint,
im Paradies des Andersseins.
Sie spielt nicht, sie will sich
so ganz allein
hinter seidenen Vorhängen
im goldenen Heim.

Refrain

 Liebe ist ein Kleid.
Das Gesicht hat sie dazu –
gefasst und nicht zu grell.
Sie ist schön wie ein Modell.

Schönheit ist ihr Kind.
Sie bewegt sich wie im Bild,
elegant und in pastell –
sie ist schön wie ein Modell.
Sie schreit nicht, sie hasst die
ohne Unterschied,
sicher scheint sie
in ihrem stillen Stil.

Liebe ist ein Kleid.
Das Gesicht hat sie dazu –
gefasst und nicht zu grell.
Sie ist schön wie ein Modell.

Sie hat sich ihre Welt bestellt.
Jetzt hat sie alles und gefällt.
Sie ist sich nicht genug,
sie hat sich selber zu Besuch.
Jetzt sitzt sie und wartet
auf ein neues Kleid,
auf Schönheit, Stil
und edle Heiterkeit.

Liebe ist ein Kleid.
Das Gesicht hat sie dazu –
gefasst und nicht zu grell.
Sie ist schön wie ein Modell.

5. Du bist ich

Du bist ich

 Meine Augen sind riesig,
mein Lächeln ist schief,
kann meinen Nacken kaum halten,
die Füße zu tief,
mein Rücken ist löchrig,
mein Hintern schon weg,
verstockt meine Beine,
mir ist übel, und Dreck

 in meinen Venen und Lymphen,
sie fressen mich auf,
komm’, hilf mir,
vielleicht stehe ich auf
gegen die tückischen Fresser
tief drinnen in mir,
ach, wie ich sie hasse,
erbarmungslos ihre Gier!

Wo ich glücklich sein könnte,
bohren sie mich an,
wo ich wachsen könnte,
halten sie alles an,
sie zernagen mein Hoffen,
meine Lust, mein Trost,
ach, nimm’ mich in den Arm,
vielleicht werd’ ich sie los!

 Denk’ nicht, dass ich sterbe,
das ist für mich Verrat,
ich bin noch so jung,
und noch ich stehe grad,
ich schlage mich rum
mit dem täglichen Brot,
ich bin du, du bist ich.
Und ich bin noch nicht tot!

 Ich schimpfe, ich wasche
und kämpfe mich durch,
ich lass’ mir nichts gefallen,
ich sage es dir,
kommst du nicht zurück,
dann gibts halt kein Wir,
ich bin nicht mehr zwanzig,
meinen Platz nehm’ ich mir!

Ach, haltet mich aus,
ich bin so allein,
so oft kann ich nur liegen,
schrecklich müde sein.
Kommt, lasst  uns lachen,
und dann lasst mich in Ruh’.
Du bist ich, und ich bin du.

 Warum ich ? schreie ich,
wenn mich keiner hört,
was hab’ ich getan,
warum werde ich so zerstört?
Alle werden doch schuldig,
das ist das Leben, verdammt!
So ist es, so unrecht,
ich hab’ doch noch gar nicht erkannt,

 was ich könnte, wenn ich wollte
und großartig wär’,
wenn das alles war,
war’s ein  Ahnen nurmehr,
ich will singen, will Farben,
will toben vor Lust
und weise werden
in meiner einzigen Brust!

Ich spitz’ meinen Pfeil
mit dem bitteren Gift,
du bewegst dich, bist reich,
gib’ acht, dass er dich nicht trifft!
Ich schließe die Augen,
vielleicht schieß’ ich ihn ab –
ach, küßss mich, ich schäm’  mich,
hab’ so wenig Kraft –

Lass’ mich schreiben und malen
für mein einziges Kind,
ich mach’ meinem Schätzchen
ein Kästchen aus Wind
von Mamas Stimme,
die überall weht,
habt es lieb, haltet es fest,
damit es nicht vergeht!

Es hing doch an der Brust,
die jetzt weggeschnitten,
ich trug es mit den Knochen,
die bald ausgelitten,
ich sorge und streite mich
mit seinem Herz,
es wird größer und mürrisch
und beißend sein Scherz.

Ich mach’ genau wie ihr
die Erziehungsmaloche,
den Abwasch, Termine,
die wenige Kohle
zähl’ ich und zähl’ ich und
drehe ich um,
mein Mund ist zwar schief,
aber noch bin ich nicht stumm!

Ich bin ja so lebenstüchtig,
aber was nützt es mir?
Was weißt du, was mir gut tut,
mein Hader ist mir,
und mein Spott und mein Ego,
meine Liebe für dich,
ich träume, noch träume ich,
ich bin du, du bist ich!

6. Trotz alledem

Trotz alledem

 Und wieder ist es Märzenzeit,
trotz Regen, Schnee und alledem.
Es keimt und sprießt, bald ist’s soweit
und Blüten all’ trotz alledem.
Die Nächte sind so lange schon,
wir wachen auf trotz alledem.
Und Himmel stürzen, Tausend drohn,
lasst uns aufsehn trotz alledem.

Refrain

Trotz alledem und alledem,
trotz Stiefel, Sturm und alledem,
hell wird’s und wärmer, ganz bestimmt,
wir wissen es trotz alledem.

 Sind wir auch wund und treiben um,
wir sehn uns an trotz alledem.
Wir singen für dich, bist du stumm,
und stilln dein Kind trotz alledem.
Auch wenn das Grelle uns verzerrt,
wir suchen uns trotz alledem.
Es tobt um uns und kreischt und plärrt,
wir atmen aus trotz alledem.

Trotz alledem und alledem,
trotz Stiefel, Sturm und alledem,
hell wird’s und wärmer, ganz bestimmt,
wir wissen es trotz alledem. 

Ach keine wird sie je verstehn,
die finstren Herrn trotz alledem.
Wir lassen sie im Finstern stehn,
ach, spring und sing trotz alledem!
Wir sprechen lange, hören zu
und lachen auch trotz alledem.
Ach, du bist da und schaust mich an
ob Frau, ob Mann trotz alledem.

7. Es regnet ganz leise

Es regnet ganz leise

Es regnet ganz leise
und du liegst im Bett
die Kinder schnarchen
und der Hund grunzt im Traum
und du glaubst es kaum,
dass irgendwo gerade was Schlimmes passiert,
es hat sich ausgeweint
und ausgeniert.

 Es regnet ganz leise
und du liegst im Bett.
Die Schränke knacken, und alles ist da,
was du brauchst und was du nicht brauchst,
die Amseln sind fett,
der Ahornbaum schwingt sich im Feuchten
und seine Blätter leuchten.

 Es regnet ganz leise
und du liegst im Bett.
Es gibt noch so vieles auszuprobiern –
wie nett heute die Nachbarn doch warn,
du musstest nur ein paar Mal das Kindchen ermahnen,
sonst keine Katastrophen in Sicht,
wirklich nicht, wirklich nicht.

 Es regnet ganz leise
und du liegst im Bett.
Du träumst von einem Mann, deinem eigenen nämlich,
du träumst, wie du lächelst und träumst, wie er riecht,
es regnet sich alles ganz frisch und du spürst
dein Herz mit dem Regen – taramtatatam,
ganz leise tarataramtatatam –
ganz leise regnet es
und du liegst im Bett.

8. Liebster Freund

Liebster Freund

 In deinem Haus ist ein stilles Vergnügen,
das atmet aus mir heraus,
deine Traurigkeit kennt kein Genügen,
dass ich fürchte, du bläst dich aus.

Liebster Freund,
du bist unersetzlich,
deine Augen machen mich froh,
liebste Freundin,
du bist so verletzlich
und du hälst mich
und ich spüre das so

Du kennst mich schon wie keine andre,
meine Tränen sind dir ein Geschenk,
du suchst, bist  unstet und wanderst,
dein Glück ist noch ungelenk.

Liebste Freundin,
du bist unersetzlich,
deine Augen machen mich froh,
liebster Freund,
du bist so verletzlich
und du hälst mich
und ich spüre das so

 Wenn du denkst, denkst du mich in dein Alles,
wenn du hoffst, hoffst du alles für mich,
dein Zorn ist eine Knospe,
dein Blick küsst mich schlaflos und licht.

 9. Im Café

Im Café

 Ich sitz’ im Café stundenlang,
schau’ mir die Welt von meinem Tischchen an,
und dieses Warten wird mir zur Lust,
weil ich kein Geld verdienen muss.
Ich schau’ mich um
und denk’ an dich
und wie du lächeln wirst,
wenn du mich siehst,
und dass es einfach ist zu bleiben
und, was ich sehe, aufzuschreiben.

An der Garderobe sitzt ein Mann,
der schaut mich viel zu lange an.
Lieber betrachte ich Marmorbüsten
von Frau Amalie und ihren Brüsten,
mit denen sie herzlich vergnügt
bei ihrem Mann, dem Landgrafen, liegt,
und fünfzehn Kinder aus eig’nem Blut,
das tat ihr bestimmt nicht nur gut ….

Und nun dies’ Mädchen mit den langen Haaren,
ach wie die glänzten und dunkel waren!
Die hätte dir vielleicht gefallen –
ein scharfer Mund – jetzt ist sie draußen –
Und nun Frau Nisse – guten Morgen! –
camelfarbener Hut und Perlen an den Ohren –
sie isst ein wenig grüne Soße,
dann noch ‘nen Mokka und ‘nen Gruß!

 Und dann bei meiner Trüffeltorte
les’ ich von Nackten aller Orten –
von ihren Scheinen und Schwangerschaften
und wie sie blaugeschlagen lachten!
„Heute montier’ ich noch die Reifen“,
sagt jener Mann zu seinem Weibe …
und dieser Florentinerschuh
war viel zu teuer, schubidu!

10. Karriere

Karriere

Refrain

Tun’Se alles, tun’Se alles
für die Kakakakarrier’,
Kaufen’Se sich ‘n buissnesscloth,
n’ Siegerseil muss her!
Dann hopp! und shot! Und cool gelaunt,
das ist doch gar nicht schwer,
das tun’Se doch, das tun’Se doch
für die Kakakakarrier’

Geh’n Sie voran und schau’n Se hoch
und dreh’n Se sich nicht um!
Und sind’Se manchmal traurig noch,
dann geh’n’Se noch zu krumm!
Sie ham ein mendales Problem
waschen Sie sich mal ihren Geist,
dann wird’s für Sie bald angenehm,
kein Zweifel mehr Sie beisst.

Tun’Se alles, tun’Se alles
für die Kakakakarrier’,
Kaufen’Se sich ‘n buissnesscloth,
n’ Siegerseil muss her!
Dann hopp! und shot! Und cool gelaunt,
das ist doch gar nicht schwer,
das tun’Se doch, das tun’Se doch
für die Kakakakarrier’

Vielleicht straucheln Sie, dann brauchen Sie
n‘ anderes Gesicht!
Mit dem soll’n Sie im Grellen seh’n
in blendender Ansicht:
und lächeln Sie und furchen Sie und hauen
auch mal ‘n „Punktum!“
So komm’Se an und für sich und für jeden
mal herum.

Tun’Se alles, tun’Se alles
für die Kakakakarrier’,
Kaufen’Se sich ‘n buissnesscloth,
n’ Siegerseil muss her!
Dann hopp! und shot! Und cool gelaunt,
das ist doch gar nicht schwer,
das tun’Se doch, das tun’Se doch
für die Kakakakarrier’ 

Ein wenig menschlich müssen Sie
schon irgendwie mal sein,
und zeigen Sie so ab und zu charmant
ein bisschen Bein!
Und dann winken Sie und wünschen Sie:
„Frohe Weihnacht’ überall!“
Und prosten Sie und tosten Sie
f…vital auf jeden Fall!

Tun’Se alles, tun’Se alles
für die Kakakakarrier’,
Kaufen’Se sich ‘n buissnesscloth,
n’ Siegerseil muss her!
Dann hopp! und shot! Und cool gelaunt,
das ist doch gar nicht schwer,
das tun’Se doch, das tun’Se doch
für die Kakakakarrier’

11.  Eifersuchtstango

Eifersuchtstango

      Eifersuchtstango,
ich hab’ dich gerne,
muss dich kontrollieren,
auch aus der Ferne.
Du bist mein Alles,
du trägst mein Siegel,
siehst du dich um,
dann kriegst du Prügel.

 Und die Angst tanzt mit im Bette,
ich wag’ nichts, was ich gern täte,
denn du könntest ja dann sagen,
das will ich jetzt auch mal wagen.
Und so bleib’ ich immer wieder
unzufrieden, aber bieder,
denn ich muss ich doch beschützen
vor dem Leben und der Lust.

 Refrain

Und wir tanzen deinen Tango,
zugeknöpft, und keiner kann so
hinter unsern Gardinen
uns mit frischen Fragen dienen.
Und ich sage: Baby, trau’ mir,
ich trink’ deins, und du trinkst mein Bier,
ich allein bin dein Geheimnis
und allein dein Glück.

Refrain

Und wir feiern jeden Sonntag
unsern liiiieben Kinderkaffee,
wenn du schweigst, bist du verdächtig,
bring’ den Braten mit ‘nem Scherz!
Und ich sage: Baby, bitter
ist die Welt, du wirst erfrieren,
und drum Tür zu und zum Herde,
hier ist’ warm, ich mach’ dir Dampf

12. Du fängst immer wieder an

Du fängst immer wieder an

 Du bist fertig,
du hast gewaschen,
du hast geputzt, gebügelt und gekocht,
du hast getan, was man im Hause alles tun kann
Aber nein, du fängst immer wieder an.

 Du bist zufrieden,
hast Heim und Kinder,
und du liebst den eigenen Mann,
und du denkst: Ab jetzt für immer glücklich,
doch dafür strengst du dich immer wieder an.

Du bist schlank
und schön und knackigdu könntest fliegen
aber dann
stellst du fest
du musst schon wieder abnehmen
Du fängst immer, immer wieder an

 Du hast Erfolg und
gute Laune,
dir gelingt alles, aber nicht lang –
musst du wieder dafür kämpfen.
Du fängst immer wieder an.

 Dann bist du alt,
und du denkst: weise,
du könntest Ratschläge geben, aber dann
stellst du fest: Du bist immer noch nicht fertig,
du fängst selbst jetzt immer noch mal an.

 Dann bist du tot:
und du denkst: „Endlich,
hab’ ich meine Ruhe …!“ Aber irgendwann
wirst du womöglich noch einmal geboren
und dann fängt alles
noch mal von vorne an. 😉

13. Ich tanze

Ich tanze

 Wir legen uns auf den Sand
um nicht von der donnernden Kugel zu stürzen,
die Wellen blitzen,
wir können unsern Atem nicht hören

Und ich tanze, ich tanze, ich tanze,
ich tanze, ich tanze herum,
meine Ferse  wie Kreisel, ich tanze,
ich tanze – und mein Lachen treibt mich an!

 Die roten Falten der Sturmvögel bergen den Sand,
keiner vergaß mich – es ist nie still …
esse Luftkreisel und lache,
bin Sturmvogelfalte und berge Sand

Die Insel hat meine Iris gegerbt,
ich sehe die Sonne sich weiten, Strahl für Strahl,
übers Meer fallend und ein Rauschen ist in mir –
verebbt –

14. Die Frau im Garten

Die Frau im Garten

 Ginster, Königskerze, Akelei,
Glockenblume, Wieswurz, Thymian –
alle Pflanzen birgt die Frau
aus dem Garten, den sie schuf.
Das Johanniskraut liebt sie
und die Zwiebel, die jetzt blüht,
und der prächtigen Kaktee
hilft sie durch den Regen.

 Die Frau im Garten schafft allein,
ihr Haar ist braun wie seine Erde,
macht sie die Hände auf,
siehst du ihre Rinde.

Rosenblätter im Gebüsch,
es riecht jetzt nach Pfefferminze,
im Strohbett steht ein Bäumchen und reckt seine Triebe.
Hellgrau blickt der Himmel
dort über ihrer Weide.
Wie sich hat sich die Frau gebeugt,
nimmt wahr, es tropft.

Die Frau im Garten schafft allein,
ihr Haar ist braun wie seine Erde,
macht sie die Hände auf,
siehst du ihre Rinde.

Die Zypressen tragen einen Wolkenhut,
ein Kätzchen schüttelt sich im Wind,
im Felshaus hockt der Salamander,
eine Maus flitzt noch vorüber –
dann ahnst du, jetzt wird ihr
Gesicht ganz weich,
wenn sie heimgeht,
lächelt sie vielleicht.

15. Küchenblues

Küchenblues

Ich schteh schun widder in de Kisch
un käna kimmert sich um misch
Sie steht schon wieder in der Küche
und keiner künmmer sich um sie
Wenn des so weidergeht,

wärd sch noch ganz dabbisch in moina Kisch
Wenn das so weitergeht
wird sie noch ganz blöde in ihrer Küche!

 Moin Bsuch drauße, der räd un räd un räd
un werd immer gscheider
Ihr Besuch draußen, der spricht und spricht
und wird immer gescheiter
käna vun denne kummt ämol uff ide Idee,

mit mir zu redde in de Kisch
Keiner von diesen kommt einmal auf die Idee,
mit ihr zu sprechen in der Küche!

 Isch wisch de Herd un wisch de Tisch
un kumm äfach net raus aus derre Kisch
Sie wischt den Herd und wischt den Tisch
und kommt einfach nicht heraus aus dieser Küche
drauß schwätze se in dicke Sessel,

bei mir peift bloß moin Wasserkessel
Draußen sitzen sie in dicken Sesseln,
bei ihr pfeifft nur der Wasserkessel

Die rädde un rädde un rädde
viel viel iwwers Gefiehl:
Die diskutieren
viel über das Gefühl
un mer werds gans anarschd hier drin,

mer werd alles zuviel
Und ihr wird es ganz anders hier drin,
ihr wird alles zuviel!

Do rauche se und drinke se
un ab un zu do winke se!
Da rauchen sie und drinken sie
und ab und zu da winken sie
un isch schteh me hier die Bä in de Bauch

un schdink nach Zwiwwel un nach Lauch!
und sie steht sich hier die Beine in den Bauch
und stinkt nach Zwiebeln und nach Lauch!

Moi Leit gucke Fernseh drauß
un gucke un lache laut
Ihre Familienangehörigen schauen Fernsehen draußen
und schauen und lachen laut
Wenn jetzt net bald äna zu mir noiguckt,

fahr isch aus moiner Haut!
Wenn jetzt nicht bald einer zu ihr hereinschaut,
fährt sie aus ihrer Haut!

 Do hocke se drauß un wadde,
die bleede Kieh!
Da sitzen sie draußen und warten,
die blöden Kühe
moi Nuddle broddle un broddle,

mer isses worschd, isch loss se broddle wie noch nie!
Und ihre Nudeln kochen und kochen,
ihr ist das gleichgültig, sie lässt sie kochen wie noch nie!

Jetzt haw isch awwer die Nas voll,
isch will misch amol unnerhalde
Dann gibts halt heit nix zu esse,
dafür kumm isch mo raus aus derrre Kisch!